Träume, mehr als eine Bedeutung

Januar 3, 2019

Als Mediziner bin ich immer wieder mit dem Träumen und dessen Bedeutung konfrontiert. Insbesondere im Zusammenhang mit Depressionen oder Schlafstörungen wird oft nach der Bedeutung eines Traums gefragt.

Schon als Kind hat mich das Thema „Traum“ fasziniert, und obwohl ich viel darüber gelesen und mich häufig damit auseinandergesetzt habe, kann ich viele Fragen dazu nicht abschliessend beantworten.

Man weiss heute, dass jeder Mensch und fast alle Säugetiere, Vögel und manche Reptilien Phasen von REM-Schlaf zeigen und träumen.

Der Traum ist eine psychische Aktivität des Schlafes. Häufig wird er in lebhaften Bildern erlebt und mit intensiven Gefühlen verbunden. Diese werden nach dem Erwachen meist nur teilweise oder gar nicht erinnert.

Träume werden in allen Phasen des Schlafes erlebt. Im NREM-Schlaf kommen Träume jedoch seltener vor als im REM-Schlaf.

Man weiss heute immer noch nicht, wozu das Träumen überhaupt gut ist. Das Träumen ist wie ein Spiegel des Erlebten oder unseres realen Lebens. In Träumen offenbaren sich Gefühle und Gedanken, die der wache Kopf nur erahnen kann und oft lieber ignorieren würde.

Vielleicht können wir durch Träume heikle oder gar gefährliche Situationen erst einmal ganz ohne Risiko üben? Oder haben Träume für uns eine Filterfunktion, indem sie wichtige Informationen von belanglosen trennen?

Im Allgemeinen träumen wir nicht von einfachen, simplen oder routinehaften Ereignissen, da diese für die Psyche keine besondere Rolle spielen und uns emotional nicht stark beschäftigen. Sobald uns etwas im Alltag jedoch besonders belastet, bekommt das im Traum eine erhöhte Bedeutung.

Die typischen Träume sind meistens negativer Natur (Prüfungstraum, Falltraum, Nackttraum, Verfolgungstraum, Todestraum). Sie beschäftigen sich mit tief verborgenen menschlichen Grundängsten wie Versagen oder Verlust. Im Traum werden sie in Situationen übersetzt, die solche Grundängste im realen Leben vermutlich bei uns auslösen würden.

Das heisst: Die emotionale Grundstimmung spielt eine zentrale Rolle im Traum. Sie spiegelt die Art und Weise wieder, in der wir mit unseren Gefühlen im Alltag umgehen.

Man weiss z.B., dass extrovertierte Menschen auch im Traum mehr kommunizieren und gelassener sind als introvertierte.

Manche Albträume sind so intensiv, dass sie auch tagsüber nachwirken. Z.B. wenn der Partner des Träumenden im Traum fremdgegangen ist, kann die nun wache Person am nächsten Tag sauer auf ihren Partner reagieren, obwohl der Arme nichts verbrochen hat.

Träume nach Inhalt zu klassifizieren ist gar nicht so einfach, weil es dabei immer darauf ankommt, welche Unterscheidungskriterien der Klassifizerung zugrunde gelegt werden.

Ganz generell lassen sich vier Traumarten unterscheiden: Trübträume, luzide Träume, Albträume, Tagträume (bewusste, bildhafte, mit Träumen vergleichbare Fantasievorstellungen).

Die Fähigkeit, Träume ganz bewusst zu kontrollieren und zu steuern, ist nur wenigen Menschen in die Wiege gelegt, denn unser Gehirn arbeitet gewöhnlich nicht nach diesem Modell. Das Klarträumen lässt sich offenbar doch erlernen.

«Träumen heisst: durch den Horizont blicken.» (aus Afrika)