Erkältung und grippaler Infekt

Dezember 5, 2017

Die Erkältung ist eine der häufigsten Infekte in der ambulanten Medizin. Trotz des meistens gutartigen und selbstlimitierenden Verlaufs hat die Erkältung einen sehr grossen sozialen und ökonomischen Einfluss. Es kommt zu vermehrten Arztbesuchen sowie Absenzen in der Schule und am Arbeitsplatz.

Die Erkältung und der grippale Infekt sind alltagssprachliche und medizinisch nicht scharf definierte Bezeichnungen für Infekte der Luftwege.

Der Begriff «Grippe» oder «Influenza» sollte nur für eine Infektion mit Influenzaviren gebraucht werden. Die Grippeimpfung nützt nur gegen die Influenzaviren.

Verantwortlich dafür sind Viren, und zwar mehr als 200 verschiedene Viren. Am häufigsten sind es die Rhinoviren (40%). Seit der Entdeckung der Rhinoviren im Jahre 1956 sind mehr als 160 verschiedene Serotypen beschrieben worden. Sie werden meistens über Autoinokulation nach Kontakt mit kontaminierten Gegenständen oder via Tröpfcheninfektion übertragen. Reservoir von Rhinoviren sind vor allem Schulkinder.

Die Rhinovirusinfektion beginnt meistens mit einem Kratzen im Hals (Halsbeschwerden), gefolgt von Schluckbeschwerden und Nasenlaufen. In der Regel sind Erwachsene mit einem Rhinovirusinfekt afebril, bei Kindern tritt häufiger Fieber auf. Andere Symptome einer Erkältung sind Kopf- und Gliederschmerzen, die in der Regel über vier bis fünf Tage anhalten. Nach einer Woche kann ein trockener Reizhusten einsetzen, der auch für eine längere Zeit persistieren kann. In der Regel ist die Erkrankung aber nach einer Woche überstanden.

Es können jedoch schwerwiegende Komplikationen wie sekundäre bakterielle Superinfektionen, Verschlechterung eines Asthma bronchiale, einer COPD auftreten. Bei Kindern mit einem viralen oberen Atemwegsinfekt ist die häufigste bakterielle Komplikation die Otitis media (Mittelohrentzündung).

Eine andere häufige Komplikation einer Erkältung ist die Sinusitis (Kiefer-, Stirnhöhlenentzündung) oder die Pneumonie (Lungenentzündung). Letztere wird häufig durch bakterielle Superinfektion verursacht.

Die Therapie einer Erkältung ist in der Regel rein symptomatisch, d.h. es erfolgt ein Einsatz von abschwellenden Nasentropfen, Schmerzmitteln und Entzündungshemmern sowie allenfalls von Hustenmitteln und schleimlösenden Medikamenten.

Da es sich häufig um virale Infekte handelt, ist der Einsatz von Antibiotika nicht sinnvoll. Kommt es aber zu einer Komplikation mit deutlichen Zeichen einer bakteriellen Superinfektion (z.B. einer Lungenentzündung), ist eine antibiotische Behandlung indiziert.

Für jeden Einzelnen ist die Vorbeugung solcher Erkrankungen sehr wichtig. Es geht schliesslich um einen Kampf des Immunsystems gegen Eindringlinge, in diesem Fall gegen Viren und eventuell Bakterien. Unter Stress (innerer Anspannung und äusseren ungünstigen Bedingungen wie z.B. extremer Kälte) wird das Immunsystem geschwächt und verliert dann den Kampf.

Die vorbeugenden Massnahmen sind also sehr wichtig: Es geht wiederum um Stressbewältigung (z.B. Achtsamkeit, Mentaltraining, genug Zeit für sich nehmen), um Schlafhygiene (genügend guten Schlaf), Bewegung (Sport), gesunde, ausgewogene Ernährung (Einnahme von Vitaminen und Eiweissprodukten) und Vermeiden von Exposition (wie Händehygiene, allenfalls «Hände weg» von Noxen und ungünstigen Verhältnissen).

  • „In einem wankenden Schiff fällt um, wer stillsteht und sich nicht bewegt“ (Ludwig Börne)

Weiterhin…

Eigentlich zwei Strategien helfen, Erkrankungen abzuwehren: das Immunsystem fit und das Ansteckungsrisiko niedrig zu halten. Lezteres bedeutet vor allem, di Hände zu waschen und Ansteckungsquellen zu meiden.

In den letzten Jahren wird sehr viel über die Bedeutung vom Darmsystem auf das Immunsystem diskutiert. Die Darmzellen sind an vier von fünf Immunantworten beteiligt. Immunfitness beinhaltet also Darmfitness. Eine ausgewogene Ernährung begüngstigt „gute“ Darmbakterien und hält die Balance stabil. Besonders nützlich sind Gemüse, Vollkornprodukte und andere ballaststoffreiche Lebensmitel. Ausgewogene Menupläne liefern auch Vitamine und Mineralien.