Reisen: Reiseapotheke und Notfallmassnahmen

März 20, 2017

Die Sommerferien rücken näher, und viele freuen sich auf die bevorstehenden Tage am Strand, in der Wüste oder in den Bergen.
Ganz egal, wo man seine Ferien verbringen möchte; nebst Pass, Geld und Kleidern gehört häufig auch eine Reiseapotheke ins Gepäck.

Eine Standard-Reiseapotheke gibt es nicht. Der Inhalt richtet sich individuell nach Reiseziel (z.B. Hochgebirge oder Malariagebiet), Reisedauer, Reisestil (Trekking, All Inclusive Hotel) und der reisenden Person (Alter, Gesundheitszustand, Risikofreudigkeit).

Grundsätzlich gilt auch hier dasselbe wie ansonsten in der Medizin. Vorbeugen ist sehr wichtig, nach dem Motto: „Kluge Menschen schützen sich“.

Bei der Zusammenstellung Ihrer Reiseapotheke sollten Sie zudem Medikamente bevorzugen, die Sie bereits kennen und die Sie gut vertragen.

Dennoch gibt es einige Medikamente, die für die Reiseapotheke in jedem Fall zu empfehlen sind.

Medikamente

  • Individuelle Medikamente (z.B. Allergiemittel)
  • Schmerzmittel, fiebersenkende Mittel
  • Medikamente gegen Reiseübelkeit und Durchfall
  • Verhütungsmittel
  • Erkältungslindernde Medikamente (Nasenspray, Halstabletten)
  • Je nach Gebiet: Malariatabletten und Antibiotika

Wundversorgung

  • Desinfektionsmittel, antiseptische Wund- und Heilsalbe (wie Fucidin)
  • Kleine Schere, Pinzette
  • Sterile Wundkompressen, elastische Binden

Ausserdem wichtig

  • Sonnenschutz, Sonnenbrille, ev. Moskitonetz
  • Mückenschutz / Zeckenschutz,
  • Fieberthermometer

Vor der Reise sollte man den Impfstatus prüfen bzw. prüfen lassen und Impfungen vor der Reise durch den Arzt planen.

Weitere Auskünfte über Reiseimpfungen finden Sie unter www.safetravel.ch.

Impfungen können beim schweizerischen elektronischen Impfausweis online gespeichert werden unter www.meineimpfungen.ch. So wird der Impfstatus für jeden Arzt weltweit abrufbar.

Medikamente, die Sie regelmässig einnehmen müssen, sollten Sie in ausreichenden Mengen mitführen.

Es empfiehlt sich, zusätzlich zum theoretischen Bedarf in der Ferienzeit, einen extra Vorrat mitzunehmen und im Handgepäck zu transportieren. Somit sind Sie in Falle von Kofferverlust oder einer ungeplanten Reiseverlängerung gut abgesichert.

Ausserdem sollten Sie ev. die Packungsbeilage der eingenommenen Medikamente und/oder einen Medikamentenplan mit in die Ferien nehmen, damit Sie alle Wirkstoffe und Dosierungen schriftlich haben, falls Sie das Medikament im Ferienort besorgen müssen.

Allergien können am Ferienort aufgrund anderer klimatischer Bedingungen, anderer Vegetation oder landesüblicher Küche durchaus stärker auftreten als in der Schweiz. Denken Sie deshalb daran, Medikamente gegen eventuelle Allergien einzupacken.

Manche Medikamente müssen bei Flugreisen angemeldet werden, wie zum Beispiel die Insulinpens für Diabetiker. Da die Pens Nadeln enthalten, dürfen sie eigentlich nicht im Handgepäck mitgeführt werden.

Für Notfälle und im Falle des Kofferverlustes sollten Diabetiker jedoch immer eine ausreichende Menge Pens bei sich tragen. Informieren Sie sich bitte bereits bei der Flugbuchung über geltende Bestimmungen, denn nicht immer ist ein Diabetiker-Pass ausreichend, um die Medikamente an Bord nehmen zu dürfen. Häufig wird eine zusätzliche schriftliche Bescheinigung vom Arzt benötigt.

Die Pille ist das wahrscheinlich bekannteste Beispiel für Medikamente, die zu einem festgelegten Zeitpunkt eingenommen werden müssen. Bei der Einnahme zählt der Abstand zwischen zwei Einnahmen und nicht die Uhrzeit. Damit das Medikament korrekt und zur richtigen Zeit wirkt, sollten Sie zusätzliche Erinnerungsfunktionen, beispielsweise des Handys, nutzen.

Im Allgemeinen gilt, dass Medikamente trocken und dunkel gelagert werden sollten, zumeist bei Zimmertemperatur zwischen 15-25 Grad. Einige Medikamente müssen jedoch speziell gelagert werden. Deswegen sollten Sie die Informationen zur Lagerung auf der Packungsbeilage beachten.

Nicht nur unsachgemässe Lagerung kann Medikamente beschädigen, auch das Überschreiten der Mindesthaltbarkeit kann die Wirkung beeinflussen. Deshalb sollten Sie das Haltbarkeitsdatum der Medikamente vor Reiseantritt prüfen. Dabei gilt zu beachten, dass das Haltbarkeitsdatum bei Cremes und Flüssigkeiten nur für ungeöffnete Packungen gilt.

Antibiotika sollten nur nach sorgfältiger Abklärung und guter Indikation eingenommen werden (steigende Resistenzproblematik).

 

Was sollten Sie sonst noch beachten?

  • Die Medikamente dürfen nicht überhitzen, Lagerhinweise beachten
  • Allenfalls ist eine Kühltasche nötig, z.B. für Insuline
  • Packen Sie bei Flugreisen die Medikamente ins Handgepäck. Das schützt vor Verlusten
  • Sollten Sie mehrere Zeitzonen überfliegen, müssen Sie u.U. Ihre Dosierung anpassen. Befragen Sie hierzu Ihren Arzt
  • Bei flüssigen Arzneiformen im Handgepäck fragen Sie idealerweise vor Reiseantritt bei Ihrer Fluglinie nach

Reisedurchfall vorbeugen

  • Essen Sie nur gekochte Speisen. Meiden Sie Salate, rohes Gemüse, kalte Dips, Mayonnaise, Obst, das Sie nicht schälen können, Eis, Pudding sowie rohe Fleisch- oder Fischspeisen.
  • Trinken Sie kein Leitungswasser. Benutzen Sie stattdessen Mineralwasser in verschlossenen Flaschen.
  • Geben Sie keine Eiswürfel ins Wasser.
  • Putzen Sie sich die Zähne nicht mit Leitungs- sondern mit abgepacktem Trinkwasser.
  • Waschen Sie sich regelmässig sowie immer vor dem Essen gründlich die Hände mit Wasser und Seife.
  • Bei Diarrhö (Durchfall) ist die Zufuhr ausreichender Nährstoffe in flüssiger Form zu beachten. Eine Rehydratationslösung mit gekochtem Wasser gemischt mit Zucker, Salz, Orangen- oder Bananensaft nach sog. WHO-Trinklösung ist empfehlenswert.

Bei Tierbissen

  • Bei Säugetierbissen in gewissen Ländern ist immer an eine mögliche Tollwutübertragung zu denken. Die Wunde sollte sofort reichlich und lange (20 Minuten) mit Wasser und alkalischer Seife gewaschen werden. Ein kleines Stück basische Seife (z.B. Marseille-Seife) sollte auch mitgenommen werden.

Bei Fieber

  • Fieber ist ein Alarmzeichen und bedarf weiterer Abklärungen.
  • Klingt das Fieber nach 24 Stunden nicht ab, muss ein Arzt beigezogen werden. Dies gilt insbesondere in Malaria-Endemiegebieten.
  • Grundsätzlich ist ein paracetamolhaltiges Mittel die erste Wahl.

Reisen mit Kindern: zusätzlich je nach Bedarf:

  • Sonnenschutz mit LSF über 20
  • Kopfdeckung/Helm beziehungsweise Kälteschutzcreme
  • Zinkcreme oder Hydrokortisonschaum für Säuglinge mit Windeldermatitis
  • Insektenschutz je nach Zone
  • Schwimmwesten
  • Antistress-Spielzeug

So gut vorbereitet können Sie sich in Ruhe auf Ihre Ferien freuen!

Wir wünschen Ihnen angenehme, erholsame Ferien mit besten Erinnerungen.