Lebensgefühl, beim Wandern

Juli 18, 2017

Beim Wandern kommen mir sehr viele Gedanken. Es ist wie ein Fluss von Gedanken. Die Harmonie mit dem aus den Bergen fliessenden Wasser. Verschiedene Übergänge der Berge, Wälder, Wiesen, der Farben und Töne. Die Wolken, welche die Erde mit dem Himmel verbinden. Die singenden und tanzenden Vögel rundherum. Die Kuhglocken.

Gleichzeitig höre ich meine eigenen Schritte am Boden, spüre die frische Luft und die Sonnenstrahlen im Gesicht und an den Händen.

Dann bekomme ich das Gefühl, Teil der Natur und der Erde zu sein. Ich spüre, wie mein Körper und Geist im Gleichgewicht mit dem Kosmos mitgehen. Alle Elemente, welche in mir sind, sind Teil der Natur. Sie erkennen einander und schwingen mit.

Ich kann das fühlen, spüren, sehen, riechen…Einige meiner Wahrnehmungen kann ich anderen zeigen und beschreiben, andere nicht. Zum Beispiel das Riechen. Ich kann beschreiben, wie ich die Erde rieche, aber ich kann nicht genau ausdrücken, wie stark sie riecht und welche Geruchsnoten ich wahrnehme. Bei den Farben ist es einfacher. Ich kann sagen, welche Farbe und welchen Farbton ich sehe, aber auch hier kann die eigentliche Wahrnehmung individuell und situativ unterschiedlich sein.

All diese Wahrnehmungen machen auch das Lebensgefühl aus. Dazu kommt die Lebensgeschichte, wo man geboren und aufgewachsen ist, und unter welchen Bedingungen man lebt. Die Wahrnehmung ist häufig mit Erinnerungen assoziiert. Sie kann ein gutes, angenehmes Gefühl hervorrufen oder ein schreckliches Erwachen.

Es gibt ein bekanntes türkisches Sprichwort: „Ne ekersen onu biçersin“, das so viel bedeutet wie „Was du säst, erntest du.“ Als Kind hört man in der Schule etwa: „Was man lernt und mit Noten erreicht, bringt einen für die Berufswahl weiter. Was man in der Jugend erreicht, bekommt man in der Lebensmitte in seiner Berufswahl. Was man dann in diesem Beruf erarbeitet, verdient und investiert, erntet man im Alter“.

Selbstverständlich gibt es hier auch Ausnahmen. Man kann sehr reich geboren werden und sehr arm sterben, obwohl das ganze Leben auch anders hätte verlaufen können.

Die kollektive Wahrnehmung der Leute hängt auch ab von ihrer Erziehung, Kultur, Religion und von Werten, die beeinflussen, wie und was man mitbekommt. Ein Beispiel aus diesen Tagen: Wie und was man jeden Tag in den Medien von gewissen Ländern hört, wird von jedem anders wahrgenommen.

Roger Federer ist mit seiner hervorragenden sportlichen Leistung der König der Könige im Tennis. Vor allem seine Fans oder die Leute, die seinen Erfolg mitbekommen und anerkennen, bejubeln, loben und lieben ihn…Was für ein Lebensgefühl!

„Der ganze Reiz und die ganze Schönheit des Lebens setzen sich aus Licht und Schatten zusammen“ (Lew N. Tolstoi)

Fortsetzung folgt…