Ginkgo – mehr Klarheit im Kopf und Kraft im Körper

Januar 20, 2021

Wer die ersten Anzeichen von Vergesslichkeit oder Konzentrationsmangel ernst nimmt, kann das Fortschreiten zur Demenz mit gezielten Massnahmen verzögern. Neben einer ausgewogenen Ernährung, körperlicher Aktivität und Gehirntraining hilft möglicherweise die langfristige Gabe von Ginkgo biloba. Zu dieser Erkenntnis führte eine grosse klinische Studie in der Alzheimer-Demenz-Prävention.

Bei dementen Patienten treten oft neuro-psychiatrische Symptome auf, die für die Angehörigen und das Pflegepersonal eine grosse Belastung darstellen können. Neuere Studie zeigen, dass eine statistisch signifikante und klinisch relevante Überlegenheit der Ginkgo biloba Extrakt EGB 761 -Gruppe gegenüber Placebo besteht in Bezug auf die Gesamtverbesserung bei den eine Demenz begleitenden neuropsychiatrischen Symtomen und ebenso eine signifikante Überlegenheit in Bezug auf Stressabbau beim Pflegepersonal.

So zeigt sich eine symptomatische Besserung der kognitiven Störungen und entsprechend eine Verbesserung der Lebensqualität und der Alltagskompetenz der Betroffenen.

Einige Studien belegen die neuroprotektive Wirkung des Ginkgo-Extrakts und seine positive Beeinflussung der zerebralen Mikrozirkulation.

Als Wirksamkeitsbestimmende Inhaltsstoffe von Gingko biloba hat man Flavonglykoside und Terpenlaktone identifizieren können, die als Radikalfänger dienen, die Bildung von A-Beta-Oligomeren verhindern, den Abbau der Alpha-Sekretase fördern, zum Mitochondrienschutz und deren Funktion beeintragen sowie die Blutviskosität mit einer verbesserten Mikrozirkulation erhöhen.

Weitere Anwendungsgebiete des Ginkgo

  • Symptomatische Behandlung von arteriellen Durchblutungsstörungen
  • Symptomatische Behandlung von hirnorganisch bedingten Leistungsstörungen wie Konzentrationsstörungen, Gedächtnisstörungen
  • Schwindel (Vertigo), Ohrensausen, Ohrgeräusch (Tinnitus), Sehstörung und Kopfschmerzen

Eine Besonderheit in der Pflanzenwelt stellen die sehr charakteristischen fächerförmigen, breiten Laubblätter dar. Sie sind in der Mitte mehr oder weniger stark eingekerbt, und die Blattform variiert je nach Stellung am Trieb und Wuchskraft des Baumes, weshalb kaum ein Ginkgo-Blatt dem anderen gleicht.

Die Blätter enthalten Flavonoide, Terpene wie Polyprenole, Ginkgolide, Steroide, langkettige Kohlenwasserstoffe, alicyclische Säuren (wie Ascorbinsäure) sowie Saccharose.

  • Die wichtigsten Inhaltstoffe sind 5-7% Terpenlaktone, 22-27% Flavonglykoside, 4-10% Proanthocyanidine, Biflavone, 2,5-3,2% Bilobalid und 1-2% Ginkgolsäure.

In Ostasien wird der Baum wegen seiner essbaren Samen oder als Tempelbaum kultiviert. Er wurde von holländischen Seefahrern aus Japan nach Europa gebracht und wird hier seit etwa 1730 als Zierbaum gepflanzt.
Zum Jahrtausendwechsel erklärte das deutsche „Kuratorium Baum des Jahres“ Ginkgo biloba zum Mahnmal für Umweltschutz und Frieden und zum Baum des Jahrtausends.

Offensichtlich ist der zweihäusige Ginkgobaum vor ca. 2,5 Milionen Jahren aus Europa verschwunden und kommt heute in seiner Wildform nur noch in einem kleinen Gebiet in Südostchina vor. Die männlichen Bäume werden jedoch weltweit als Park- oder Alleebaum kultiviert. Die weiblichen Bäume werden wegen dem stark nach Buttersäure riechenden Geruch ihrer Früchte, den man in Europa als unangenehm empfindet, selten angepflanzt.

Medizinisch: das Wirkspektrum der Gingko biloba

  • Zum komplexen Muster der pharmakodynamischen Aktivität des Ginkgo-bloba-Spezial-extrakts zählen Neuroprotektion, Förderung der Neurogenese und Synaptogenese sowie Modulierung von Neurotransmittersystemen.
  • Die serotonerge Effekte könnten auch in der Verbesserung der Depression einer Rolle spielen, während die Hemmung der Stressachse die Angststörungen beeinflussen könnte.
  • Gestörte Verhaltensweisen wie etwa die Agitation könnten zumindest teilweise auf die kognitive Störung dementer Patienten zurückzuführen sein, denn diese führte häufig zu  einer Fehlinterpretation der Umgebung.
  • Eine Verbesserung der Kognition könnte daher auch zu einer Verbesserung der gestörten Verhaltensweisen beintragen.

«Deine Nahrungsmittel seien deine Heilmittel.» (Hippokrates)

Noch etwas Wissenswertes bzw. etwas zur Deutung von Blättern: Der irische Nationalheilige und Missionar St. Patrick versuchte, das Geheimnis der Trinität (Gott Vater, Sohn, Heiliger Geist, drei in einem) anschaulich zu erklären und griff dazu, als ausgezeichneter Didaktiker, zum Kleeblatt. Drei Blätter – ein Blatt. Das hat so eingeschlagen, dass die Flugzeuge der Air Lingus dieses Kleeblatt auf ihren Heckflossen haben!

Lange wurde die positive Wirkung von Ginkgo bei Tinnitus mit der Mehrdurchblutung des Ohres begründet. Ob die These der verstärkten Ohr- und Hirndurchblutung doch korrekt ist oder ob die Wirkung von Ginkgo eher auf sein antioxidatives Potenzial zurückzuführen ist, kann im Moment nicht mit Sicherheit bestimmt werden. Weiter verbessert Ginkgo die Blutfliesseigenschaften, die Hirnleistung, das Lernvermögen sowie das Gedächtnis und wirkt adaptogen, neuroprotektiv und memranstabilisierend auf die Sinnesepithele von Augen, Ohren und Nase.

Kontraindikationen: Hypertonie (Bluthochdruck)

Interaktionen: Bei Blutverdünnern diskutiert.

Weiteres:

Der Ginkgo-bloba kann nicht nur bei älteren Personen mit kognitiven Störungen erfolgreich eingesetzt werden, sondern auch bei Personen im mittleren Alter und mit intakten kognitiven Leistungen, da der Gingko bei dieser Population zu einer signifikanten Erhöhung der Gedächtnisleistungen führt.

Mit anderen Worten, kann gesagt werden, dass der Ginkgo bloba kann im Praxisalltag für Personen eingesetzt werden, die in einer Lebensphase stehen, in der eine Verbesserung der Gedächtnisleistungen erforderlich ist (vergl. dazu „Fit im Kopf mit Ginkgo“, in der medizinonline.ch, Phytotherapie, Dr. Pharm. C. Bachmann, Luzern)

Eine weitere Studie zeigt, dass die Modulation der Mikroglia-Aktivierung und die damit einhergehende antineuroinflammatorische Wirkung einen günstigen Effekt des Ginkgo-biloba-Extrakts EGB 761 beitägt.  (Gargouri B et al. Phytomedicne 2018; 44:45-55).

Der Einsatz des standardisierten Ginkgo biloba Extrakts  (GBE) wirkt einen positiven Effekt bei der Behandlung einer demenziellen Entwicklung. Eine frühe Behandlung von „Subjective Cognitive Decline“ (SCD) und „Mild Cognitive Impairment“ (MCI), den Vorläudern der Demenz., drängt sich deshalb mit anderen Interventionen gegen neuro-kognitive Störungen auf, insbesondere auch um die Konversion in eine Demenz zu verzögern. Die in Ginkgo enthaltenen Flavonoide haben eine starke antioxidative Wirkung und können so die Entwicklung von SCD, MCI und die Konversion in eine Demenz relevant verzögern. Zudem erniedrigt die GBE Risikofaktoren für vaskuläre Störungen, normalisiert die Blutvsikosität, schützt die zelluläre Kraftwerke, die Mitochondrien, fördert die Bildung von Neurotransmittern, unterstütz die synaptische Plastizität und stärkt dadurch das neuronale Netzwerk auch im Alter.

Der Wirkungsmechanismus von Gingko bloba Extrakt kann im Zusammenhang mit kognitiver Hirnleistung folgendermasse zusammengefasst werden:

  • Erhöhung des zerebralen Blutflusses
  • Verminderung der Blutviskosität
  • Gewisse Verbesserung der dopaminergen und noradrenergen Neurotransmission
  • Hemmung der Aggregation und Toxizität von Amyloid-Beta
  • Verminderung von freien Sauerstoffradikalen
  • Stabilisierung der mitochondrialen Funktion
  • Verbesserung der synaptischen Funktionen und deren Plastizität

 

Gedicht über das das Ginkgo-Blatt

In folgendem Gedicht von Goethe, aus dem West-östlichen Divan, wird das Ginkgo-Blatt als Symbol der Liebe gedeutet – zwei und doch eins:

Ginkgo biloba

Dieses Baums Blatt, der von Osten
Meinem Garten anvertraut,
Gibt geheimen Sinn zu kosten,
Wie’s den Wissenden erbaut.

Ist es ein lebendig Wesen,
Das sich in sich selbst getrennt?
Sind es zwei, die sich erlesen,
Dass man sie als eines kennt?

Solche Frage zu erwidern
Fand ich wohl den rechten Sinn:
Fühlst du nicht an meinen Liedern,
Dass ich eins und doppelt bin?